FAQ – häufig gestellte Fragen

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Kann ich neben den ägyptischen Gottheiten auch Götter aus einem anderen Pantheon verehren?
Ja, da spricht überhaupt nichts dagegen. Gerade die Alten Ägypter sind ein gutes Beispiel dafür Götter aus anderen Kulturen zu integrieren, viele der ägyptischen Götter stammen z.B. aus dem mesopotamischen oder asiatischen Raum. Auch im modernen Kemetismus spricht überhaupt nichts dagegen auch andere Götter zu verehren.

Lehnten die Alten Ägypter das irdische Dasein ab, da sie sich so stark mit dem Tod beschäftigten?
Nein, ganz im Gegenteil. Einige Ägyptologen sprechen sogar von einer Art Überkompensation des Todes im Hinblick auf den intensiven Totenkult der Ägypter. Tatsächlich zeichnet sie eine große Lebensbejahung aus; so sehr, dass sie den Tod geradezu ablehnten, ja sogar tabuisierten. Man durfte nicht mal das Wort „Tod“ aussprechen und er wurde als eine Art Krankheit gesehen die grundsätzlich heilbar ist. Diese Heilungszeremonie war letztlich der Totenkult. Auch die Mumifizierung zeigt eine große Verehrung der Körperlichkeit. Er wurde nicht als unbedeutende Hülle betrachtet, sondern für wichtig erachtet, dass man ihn bis in alle Ewigkeiten erhalten wollte.

Woher weiss man so genau, wie die altägyptische Religion beschaffen war? Kann man sie heute wirklich so genau praktizieren?
Die modernen ägyptologischen Quellen liefern mittlerweile sehr detaillierte Daten über die altägyptische Kultur, ihren Kult und ihr Weltbild. Es ist also nicht schwer aus über 5000 Jahren geschichtlicher Aufzeichnung die altägyptische Religion zu rekonstruieren. Natürlich müssen dabei in der modernen Praxis einige Anpassungen vorgenommen werden, damit diese mit den modernen Gepflogenheiten vereinbar ist, aber man kann sie relativ originalgetreu praktizieren.

Waren die ägyptischen Götter und Pharaonen Außerirdische?
Nein, aus ägyptologischer und rekonstruktionistischer Sicht definitiv nicht. Es ist nicht Glaubensinhalt des modernen Kemetismus Götter und Pharaonen eine außerirdische Natur zuzuschreiben. Das gehört in den Bereich bestimmter esoterischer Theorien, die wir aber nicht unterstützen.

Gibt es heute einen Pharao?
Einen Pharao im Sinne eines altägyptischen Staatsoberhauptes gibt es heute natürlich nicht mehr, aber im Rahmen von modernen Tempelgemeinschaften können Personen die Funktion eines Pharaos aus religiöser Sicht übernehmen. Das ist wichtig für den Kult. Als frei praktizierende Kemet ist man nicht daran gebunden, diese Person als obersten Priester/oberste Priesterin anzuerkennen, will man sich der jeweiligen Tempelgemeinschaft verbindlich anschließen, kommt man natürlich nicht umhin, das Oberhaupt als solches zu akzeptieren.

Was ist der wichtigste Aspekt der kemetischen Praxis?
Entgegen der gängigen Erwartungen ist das nicht die Verehrung der Götter, sondern die Aufrechterhaltung der kosmischen Ordnung der Ma’at, die sich in einer kosmischen und sozialen Dimension manifestiert und damit eine ethische Richtschnur für das Leben in der Gemeinschaft vorgibt. Im Grundsatz bedeutet dies nach dem Guten zu Streben und das Richtige zum Wohle aller zu tun.

Sind alle Kemeten Heiden?
Wenn man zu den Heiden Anhänger aller vorchristlichen Religionen zählen möchte, sind auch Kemeten Heiden. Selbiges gilt, wenn man als Definition für „heidnisch“ das Vorhandensein mehrerer Götter heranziehen will. Definiert man Heiden als von frühen Christen Verfolgte und Zwangskonvertierte, trifft dies kaum auf die alten Ägypter zu.

Wie wird man Kemet? Muss man eingeweiht werden?
Nein, muss man nicht. Man beginnt einfach damit Kemetismus zu praktizieren. Das Konzept der Einweihungen enstammt der Hermetik und den griechischen Isis-und-Osiris-Mysterien, die sich aber im Alten Ägypten aus heutiger Sicht nicht eindeutig nachweisen lassen. Diese Mysterien sind also überwiegend griechisch. Auch gibt es kein Geheimwissen zu dem man Zugang finden müsste, alles Wissenswerte ist Dank der modernen Ägyptologie ohne weiteres zugänglich. Was aber durchaus als geheim zu werten ist, sind die Schriften diverser Grabstätten, da die Totenruhe ungestört bleiben sollte, was aufgrund archäologischer Forschungen freilich nicht der Fall ist. Insofern waren die formelle Totenliteratur und -liturgie nicht für jedermanns Augen bestimmt, sondern nur für die agierende Priesterschaft und den verstorbenen selbst. Doch auch der einfache altägyptische Bürger verehrte seine Götter in hauseigenen Schreinen innerhalb eines individuellen Privatkultes. Man kann also jederzeit seinen persönlichen Kult für die Götter betreiben.

Ist Kemetismus und Wicca das gleiche?
Nein. Kemetismus ist eine völlig andere Tradition als Wicca. Im Rahmen von Wicca können zwar auch ägyptische Gottheiten verehrt werden, das hat dann aber nichts mit Kemetismus zu tun.

Betreiben Kemeten schwarze Magie?
Magie ist ein wesentlicher Bestandteil der kemetischen Praxis, die sowohl positive als auch negative Magie umfasst. Mit schwarzer Magie im okkultistischen Sinne hat das aber nichts zu tun. Auch beim Wirken von negativer Magie sind Kemeten dem ethischen Kodex der Ma’at verpflichtet. Verstoßen sie dagegen, riskieren sie die Gunst der Götter zu verlieren. Dennoch darf und soll man als Mensch sehr wohl magisch die Initiative ergreifen, wenn irgendwie Unrecht geschieht, das bekämpft werden soll. Die Ma’at zu erhalten und ihren Feinden das Handwerk zu legen, obliegt gleichermaßen der Verantwortung der Menschen wie der Götter.

Viele ägyptische Götter haben Tierköpfe. Beten Kemeten wirklich Tiere an?
Ja, in der Tat kann man sagen, dass Kemeten Tiere verehren. Viele Tiere galten als lebendige Abbilder der Götter, ähnlich den Avataren im Hinduismus. Die Tiere werden also nicht als Symbole der Götter verstanden, sondern sind Manifestatien der Götter selbst. Der Mensch wird also keineswegs ausschließlich als „Krone der Schöpfung“ und den Tieren übergeordnet betrachtet. Tierische Attribute in der Darstellung der Götter galten sogar als Merkmal ihrer Göttlichkeit, wie etwa Flügel, Federn oder der Körper eines Löwen.  Es gab auch sehr ungewöhnliche Tiergottheiten, wie Frösche, Spitzmäuse oder Nilpferde.

Kann es sein, dass eine ägyptische Gottheit zu mir Kontakt aufnimmt?
Das kann durchaus passieren, viele Kemeten berichten überhaupt erst so zum Kemetismus gekommen zu sein. Oft fühlt sich die besuchte Person aber sowieso schon unbewusst zu einer bestimmten Gottheit hingezogen, so dass es irgendwann unweigerlich zu einem Kontakt kommt und man die Präsenz einer Gottheit bemerkt. Das ist also nichts Ungewöhnliches.

Mit Vorsicht zu genießen sind aber Channeling-Botschaften bestimmter Leute, die einem angebliche Nachrichten von ägyptischen Gottheiten, wie z.B. Isis überbringen und damit finanziellen Nutzen erwirtschaften wollen. Da handelt es sich meist um Geldmacherei oder den Versuch sich als Medium zu profilieren und Abhängigkeiten zu schaffen. Wenn die Götter zu einem Verbindung aufnehmen, merkt man das in der Regel selbst am allerbesten, oder die Verbindung geschicht durch eine vertrauenswürdige Person.

Was ist Ma’at?
Ma’at ist die kosmische Ordnung, die auch mit Gerechtigkeit, Balance und Weltenordnung übersetzt wird. Auf der kosmischen Ebene bedeutet Ma’at, die Zyklen der Natur zu erhalten und damit auch die Natur selbst, auf einer sozialen Ebene bedeutet es füreinander da zu sein. Die Stärkeren helfen den Schwächeren, Ungleichheit in der Gesellschaft kann nicht immer aufgehoben werden, aber wird im Sinne einer vertikalen Solidarität verpflichtet. Gleichsam wird ausbeuterisches Handeln und jegliches Verhalten, das dem Miteinander schadet nicht geduldet.

Sind ägyptische Götter böse oder gefährlich?
Wir betrachten die Götter deswegen als solche, weil sie uns grundsätzlich wohlgesonnen und gutmütig sind, auch wenn einige von Ihnen ambivalent sind oder durchaus bedrohlich sein können. Im Gegensatz zur christlichen Theologie sind die Gottheiten nicht voll bedingungsloser Liebe für uns, dazu sind Menschen oft eine zu große Bedrohung für die kosmische Ordnung, aber natürlich haben sie dennoch großes Verständnis für unsere menschlichen Einschränkungen und verzeihen uns auch Fehler, die wir aus Unwissen machen.

Erlange ich durch kemetische Praxis Erleuchtung oder ein höheres Bewusstsein?
Erleuchtung wie z.B. im Buddhismus gehört nicht primär zum Kontext der altägyptischen Religion, daher ist sie auch nicht darauf ausgerichtet, diese Zustände zu erlangen. Jedoch sind Aspekte wie Weisheit, Güte, kosmisches und soziales Bewusstsein wichtige Werte des Kemetismus und natürlich trägt die regelmäßige Praxis der kemetischen Rituale maßgeblich dazu bei diese Werte zu entwickeln, sowie die Beziehung des einzelnen Menschen zu den Göttern zu stärken und zu vertiefen. Meditation und Kontemplation, kann man aber durchaus in seine persönliche Praxis integrieren. Als typisches Merkmal des altägyptischen Kultes gilt jedoch nach derzeitigem Stand der Ägyptologie die Abwesenheit jeglicher tranceartiger Zustände innerhalb der Kultpraxis. Eine Persönlichkeitsentwicklung im Sinne der Ma’at und das Verinnerlichen der altägyptischen Weisheitslehre ist jedoch wünschenswert und sinnvoll.