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Wie die Welt entstand…

Wie so oft, ist im alten Ägypten vieles nicht einheitlich. Das gilt auch für die Schöpfung der Welt. Es gibt es verschiedene Schöpfungsgeschichten, die sich zum Teil etwas ähneln, aber auch voneinander abweichen. Eins lässt sich jedoch als Gemeinsamkeit feststellen, die Schöpfungsgeschichten sind jeweils fest mit bestimmten Götterfamilien verbunden.

Im folgenden sollen die drei wichtigsten Schöpferfamilien vorgestellt werden. Diese sind:

Die Neunheit von Heliopolis
Die Achtheit von Hermopolis
Der Schöpfungsmythos von Memphis

Die Neunheit von Heliopolis

Die Schöpfung beginnt mit dem Urgott Atum, der im Urmeer Nun ohne Bewusstsein umhertreibt. Seine Bewusstlosigkeit ist eine Analogie für den Zustand der Präexistenz. Durch seine Bewusstwerdung beginnt der erste Schöpfungsakt und er erschafft seine Kinder Schu und Tefnut. Dies geschieht in den Mythen durch einen recht ungewöhnlichen Akt, nämlich durch ein sog. Autofellatio. Manche Mythen berichten auch von einem Ausspucken. Man sieht gleich, das hier das Element Wasser, das eine Form erhält, eine große Rolle spielt. Aus dem ersten Götterpaar geht ein weiteres Götterpaar, nämlich der Erdgott Geb und die Himmelsgöttin Nut hervor. In Darstellungen sieht man oft Schu als denjenigen, der unter Nut steht und sie von unten hält. Das macht aus der Sicht eines geozentrischen Weltbildes Sinn, denn wenn die Erde der Mittelpunkt des Kosmos ist, dann spannt sich der Himmel über ihr auf und es entsteht ein leerer Raum dazwischen der ausgefüllt werden muss, damit der Himmel in der Verkörperung von Nut nicht auf die Erde (Geb) fällt. Diese Aufgabe übernimmt hier Schu. Geb und Nut gebären nun zwei weitere Götterpaare, nämlich Isis und Osiris, welcher hier weniger als Totengott in Erscheinung tritt, sondern noch in seiner ursprünglichen bedeutung als Vegetationsgott, sowie Seth und Nephthys. Auch Seth hat hier noch lange nicht die ambivalente Bedeutung, die er später erhält und verkörpert eher Stärke und Mut in seiner Form als Sturmgott.

Die Achtheit von Hermopolis

In diesem Mythos geht die Schöpfung nun nicht von einem einzigen Gott aus, sondern von 4 Götterpaaren, die gemeinsam das Urchaos in seinen verschiedenen Aspekten repräsentieren. Zu Amun und Amaunet muss man erwähnen, dass es hier verschiedene Varianten gibt:

Tenem und Tenemu: das Nichts, die Düsternis
Gereh und Gerhet: das Ende, zu Ende gehen
Niau und Niaut: die Leere

Auch in diesem Schöpfungsmythos spielt Wasser eine Rolle, denn die 8 Schöpfergötter werden als frosch- oder schlangenköpfige Götter dargestellt die damit einen Bezug zum fruchtbaren Nilschlamm haben, der alljährlich mit der Nilflut über die Felder floß. Diese vier Götterpaare erschufen den Sonnengott Re.

Der Schöpfungsmythos von Memphis

Dieser Mythos ist dem von Heliopolis sehr ähnlich. In diesem Fall ist es Ptah, der Erd- und Fruchtbarkeitsgott der anstelle von Atum die Götter der Neunheit von Helioplois allein durch das Aussprechen seiner Gedanken manifestiert. Zudem erschafft er aber auch noch sämtliche Götterbilder und Kultstätten und schließlich die Rechtsordnung, weswegen Ptah auch als der Gott der Handwerker verehrt wurde.

In den drei Schöpfungsgeschichten werden die Urkräfte der Schöpfung von den einzelnen Gottheiten verkörpert und ihr Zusammenwirken zeigt, wie sich Dinge überhaupt manifestieren. Das sagt wiederum viel über das Weltbild der Altägypter auf, wie sie die Kräfte der Natur wahrnahmen, dass diese zerstörerisch, aber eben auch schöpferisch sein konnten, dass der Übergang von Chaos zu Ordnung Leben bedeutete, das Sonne und Wasser die Lebensspender schlechthin waren, dass die Dunkelheit zwar bedrohlich, aber dennoch das Element war aus dem Leben hervorging. Deshalb finden sich viele dieser schöpferischen Aspekte auch in der altägyptischen Magie wieder.